Bildungslandesrat Hermann deponiert in Wien Forderungen an Bundesminister
Steirischer Bildungslandesrat nutzt Arbeitstreffen in der Bundeshauptstadt, um Minister Wiederkehr wesentliche Forderungen zu übermitteln.
Bildungslandesrat Stefan Hermann traf gestern in Wien mit Bundesminister für Bildung Christoph Wiederkehr zu einem Arbeitsgespräch zusammen. Im Zentrum des Treffens standen unter anderem zentrale bildungspolitische Anliegen der Steiermark – von der Stärkung des sonderpädagogischen Förderbereichs für Pflichtschulen über die Weiterentwicklung der schulischen Ganztagesbetreuung bis hin zu einem innovativen Schulmodell an der Pädagogischen Hochschule Steiermark.
Sonderpädagogik: Ressourcen reichen nicht aus
Ein besonders dringendes Anliegen betrifft den sonderpädagogischen Förderbedarf (SPF). Allein in der Bildungsregion Grazer Zentralraum gibt es rund 1.800 Kinder mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf – bundesseitige Ressourcen gibt es jedoch nur für rund 1.200 Kinder. Hermann fordert daher eine deutliche Anhebung des Berechnungsschlüssels für die Bereitstellung sonder- und inklusionspädagogischer Maßnahmen. Der seit mehr als 30 Jahren unveränderte 2,7-Prozentsatz entspricht längst nicht mehr der Realität in den Schulen. Der Bund ist hier gefordert, endlich ausreichend Mittel bereitzustellen, damit wir unseren Kindern die bestmögliche Förderung bieten können.
Ganztagesbetreuung: Steiermark braucht Unterstützung
Trotz großer Anstrengungen der steirischen Gemeinden herrscht Verbesserungsbedarf beim Ausbau der schulischen Ganztagesbetreuung in der Steiermark. Die Mittelverwendung im Rahmen des Bildungsinvestitionsgesetzes (BIG) stellt die Grüne Mark vor erhebliche Herausforderungen. Hermann appelliert an den Bundesminister, ein langfristiges, stabiles Finanzierungsmodell für den Freizeitteil in ganztägigen Schulformen umzusetzen und bis dahin rasch für geeignete Übergangslösungen zu sorgen, damit der Ausbau nicht ins Stocken gerät und der Erhalt gesichert ist. Begleitend dazu soll das Berufsbild der Freizeitpädagogik reformiert und Lehrpersonen im neuen Dienstrecht auch im Freizeitbereich einsetzbar werden.
Bildungslandesrat Hermann nutzte das Treffen auch, um das innovative Schulmodell der Praxismittelschule an der Pädagogischen Hochschule Steiermark vorzustellen. Das Herzstück bildet eine digitale Lernplattform, über die jedes Kind auf dem eigenen Tablet individuell und in seinem eigenen Lerntempo arbeiten kann – begleitet und beraten von Lehrerinnen und Lehrern. Als nächsten Entwicklungsschritt wäre die Erweiterung zu einer Praxisoberstufe in Form eines Realgymnasiums denkbar, das neue Schwerpunkte wie Medien- und Demokratiebildung oder Finanzbildung integriert und somit den Weg in eine universitäre Ausbildung erleichtern soll.
Im Nachgang des Treffens zeigte sich Bildungslandesrat Stefan Hermann positiv gestimmt: „Bundesminister Wiederkehr hat die vorgebrachten Anliegen ernst genommen. Ich hoffe auf eine ausreichende und zeitnahe Unterstützung für unser Bundesland, aber auch darüber hinaus wenn man die Anhebung des SPF-Schlüssels in Betracht zieht. Wir werden jedenfalls nicht müde werden, in Wien jene Änderungen der Rahmenbedingungen einzufordern, die es braucht, um die Grüne Mark in bildungspolitischen Fragestellungen weiter voranzubringen.“